Radio Row
Radio Row, das sind Romy Albrecht und Wolfgang Horn. Das Studium der Theater- und Medienwissenschaft in Erlangen entwickelte sich zu einem eingehenden Studium des institutsinternen Tonstudios und mündete nach Experimenten mit Literaturvertonungen, den sogenannten Wortvöllereien, in ein Hörtheaterprojekt nach Motiven aus dem Leben Robert Walsers im Jahr 2006.
Der Entschluss, ab 2008 unter dem Namen Radio Row zu produzieren, war damit verbunden, nur noch mit sich selbst als Material arbeiten zu wollen. Von der Konzeption über die Sprach- und Klangaufnahmen bis hin zur finalen Abmischung der Projekte werden alle künstlerischen und technischen Aufgaben von den beiden Hörspielmachern ausgeführt. Radio Row verzichtet bewusst auf ausgebildete Sprecher, fremde Textvorlagen und Musiken. Akustisch-assoziativ werden die einzelnen Elemente nach dem Prinzip Collage miteinander verbunden. Nicht selten werden die Arbeiten durch Zufallsverfahren und Automatismen geleitet, selbstreferenziell stellen sie den Produktionsprozess aus.
Durch selbstauferlegte Restriktionen oder Spielregeln wird die Produktion zum performativen Vollzug, der in das Endprodukt Hörspiel hinübergerettet werden soll, um ihn so dem Publikum zugänglich zu machen. Das Hörspielmachen wird zur performativen Hervorbringung von Materialität und ist bei Radio Row nicht die Umsetzung eines schrifttextlichen Werkes. Prozessualität wird in eine feste Form gegossen, Flüchtiges wird eingefangen. Beeinflusst durch popkulturelle Ästhetiken und im Rückgriff auf die Hörspielgeschichte entstehen Tondokumente, die frei von Narration und Repräsentation Hören/Denken/Sprechen thematisieren.
So wie man in der New Yorker Radio Row in der Lower West Side von Manhattan von 1921-1966 die grundlegend notwendigen Materialien zum Radioempfang erwerben konnte, so beschäftigen sich die Soundperformer von Radio Row mit den grundlegenden Komponenten der akustischen Kunst.