Walser Paranoia
November 2006
B e w u s s t s e i n s - S c h i e f l a g e
Collage "Walser Paranoia" im Experimentiertheater
Da verliert einer den Boden unter den Füßen, langsam, schleichend, nach und nach. Äußere Realität und innere Wahrnehmung vermischen sich, die subjektive Welt fragmentiert sich, wird zur Schieflage des Bewusstseins. Walser [...] ist am Ende, seine Eindrücke vom Leben sind allenfalls noch Schimären. Aus. Vorbei.
Es ist eine ziemlich ungewöhnliche Kiste, die da derzeit im Experimentiertheater zu sehen ist: "Walser Paranoia" ist ein artifizielles Konglomerat aus Textbruchstücken [...], das noch dazu höchst experimentell beschallt wird. Schau- und Hörspiel-Formen gehen eine beachtliche Symbiose ein, die eine so anstrengende wie spannende 70-Minuten-Performance garantiert. [...]
Alles ist hier ein wenig anders: Es gibt keine Stühle, das Publikum sitzt vielmehr innerhalb zweier Halbkreise auf dem Boden, Spielfläche ist der Raum zwischen den Kreisen und außen herum. Der Sinnsuchende "Held" Walser ist ein tragischer, der sein Leben weniger lebt als vielmehr imaginiert, der dreiköpfige "Musenchor" nimmt ihn dabei bei der Hand, schmeichelt ihm, verstößt ihn, stellt für ihn Lebenssituationen und Traumentwürfe nach. Das Leben dreht sich für Walser im wahrsten Sinne des Wortes im Kreis, die intensive Soundcollage "in 21 Tracks", die beinahe permanent "mitredet", verstärkt mit ihren Sätzen und Tönen die polyphone Wahrnehmung des zerütteten Ichs. Alles ziemlich akademisch, aber gleichzeitig sehr atmosphärisch. Eine Vision gewordener (Alb-)Traum. mko
(Artikel in den Erlanger Nachrichten)
Probenfotos
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